Jahreskreis: November

Der Name November leitet sich von der römischen Zählung der Monate ab. November (lat. novem = neun) war damals der neunte Monat des Jahres. 153 v. Chr. wurde der Jahresbeginn dann 2 Monate vorverlegt, weshalb November nun bei uns der 11. Monat im Jahr ist und die Bedeutung nun nicht mehr so ganz passt.

Alte Namen für November sind z. B. Nebelmonat, Nebelung oder Windmonat, was die Wetterbedingungen beschreibt. Er wurde aber auch Trauer- oder Totenmonat genannt, wegen den entsprechenden Fest- und Gedenktagen, die in dieser Zeit stattfinden (siehe weiter unten).

Der November zeigt sich neblig, kalt, windig und nass. Die Bäume werden kahl und die letzen bunten Blätter werden fortgeweht. Das Leben zieht sich zurück und der Tod hält Einzug in die Natur. Im Nebel erscheint die Welt unwirklicher, verschwommen. Früher hieß es, dass andere Welten zu dieser Zeit näher an unsere heranrücken, auch dass sich Wesen oder ungewöhnliche Dinge zeigen können, die sonst nicht sichtbar sind. Es ist die Zeit der Besinnung, des Wiederentdeckens von Intuition und Spiritualität, eine Zeit der Erkenntnisse, Phantasie und Ahnungen. Es wird an die Toten und Vorfahren gedacht.

Es ist auch eine gute Zeit um z. B. selbst ein Fest zu gestalten und dabei den geliebten Verstorbenen zu gedenken (z. B. auch als Fest der Familie und Verwandten und/oder Freunden). Es kann ein kleiner Altar bzw. eine kleine Ecke z. B. mit Fotos oder Erinnerungsstücken der Verstorbenen von allen gestaltet werden. Es können bei gutem Essen und Trinken (vielleicht gemeinsam zubereitet) Geschichten und Erinnerungen geteilt werden. Es können Kerzen angezündet und Wünsche, Segen und Liebe an die Verstorbenen geschickt werden. Sie können den Verstorbenen ein symbolisches Gedeck aufdecken, das Lieblingsgetränk einschenken, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

 

      

 

Der November und die Lyrik

Zum November wurden zahlreiche Gedichte geschrieben. Die Auswahl fällt schwer, aber ich möchte folgende 2 Gedichte mit euch teilen:

November

Solchen Monat muss man loben:
Keiner kann wie dieser toben,
Keiner so verdrießlich sein
Und so ohne Sonnenschein!
Keiner so in Wolken maulen,
Keiner so mit Sturmwind graulen!
Und wie nass er alles macht!
Ja, es ist die wahre Pracht.

Seht das schöne Schlackerwetter!
Und die armen welken Blätter,
Wie sie tanzen in dem Wind
Und so ganz verloren sind!
Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt
Und sie durcheinander wirbelt
Und sie hetzt ohn‘ Unterlass:
Ja, das ist Novemberspass!

Und die Scheiben, wie sie rinnen!
Und die Wolken, wie sie spinnen
Ihren feuchten Himmelstau
Ur und ewig, trüb und grau!
Auf dem Dach die Regentropfen:
Wie sie pochen, wie sie klopfen!
Und an jeder Traufe hängt
Trän‘ an Träne dicht gedrängt.

O, wie ist der Mann zu loben,
Der solch unvernünft’ges Toben
Schon im voraus hat bedacht
Und die Häuser hohl gemacht!
So dass wir im Trocknen hausen
Und mit stillvergnügtem Grausen
Und in wohlgeborgner Ruh
Solchem Greuel schauen zu!

von Heinrich Seidel (1842-1906)

Novembertag

Nebel hängt wie Rauch ums Haus,
drängt die Welt nach innen;
ohne Not geht niemand aus;
alles fällt in Sinnen.

Leiser wird die Hand, der Mund,
stiller die Gebärde.
Heimlich, wie auf Meeresgrund
träumen Mensch und Erde.

von Christian Morgenstern (1871-1914)

 

Besondere Feiertage und Feste im November

  • 1. Nov. – Allerheiligen: Gedenken an alle Heiligen.

Da mit den Jahren und Jahrhunderten die Anzahl der Heiligen zunahm, war es nicht möglich jedem oder jeder Heiligen an einem einzelnen Festtag zu gedenken. In den katholisch geprägten Bundesländern ist Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag.
Brauchtum: Allerheiligenstriezel, Allerheiligenmärkte, Gräbersegnung (ist eigentlich für Allerseelen, wird aber meist auf den Feiertag an Allerheiligen vorgezogen)

 

  • 2. Nov. – Allerseelen: Gedenken an die Verstorbenen

Bauchtum: Allerseelengebäck und -brote,

 

  • 2. Nov. – Dia de Muertos: Tag der Toten

Einer der wichtigsten mexikanischen Feiertage zum Gedenken an die Toten und ein traditionelles Familienfest. Die Feierlichkeiten beginnen am Abend des 31.Oktobers und dauern an bis einschließlich zum 2. November. Es ist ein wirklich fröhliches, buntes und ausgelassenes Fest mit Festtagsumzügen, Tanz, Musik, und und und.

 

  • 3. Nov. – Hubertustag: Gedenken an den heiligen Hubertus, den Schutzpatron der Jagd

Vor allem die Jäger feiern diesen Tag. Er wird scherzhaft auch „Allerhasen“ genannt 😉 in Fortsetzung von Allerheiligen und Allerseelen.
Brauchtum: Hubertusjagden, Hubertusmessen.

 

  • 6. Nov. – Leonhardstag / Leonhardsritt: Gedenktag an Leonhard von Limoges, Schutzpatron der Pferde, Rinder und landwirtschaftlichen Tiere

Brauchtum: Leonhardsritt, Leonhardsfahrt, Tiersegnungen

 

  • 11. Nov. – Martinstag: Gedenken an den heiligen Sankt Martin

Brauchtum: Sankt-Martins-Umzüge – Laterne laufen, Martinsfeuer, Martinsgans, Martinssingen

 

  • Volkstrauertag – findet 2 Sonntage vor dem 1. Advent statt: Gedenken an alle Kriegstoten und Opfer von Gewaltbereitschaft und Gewaltherrschaft aller Nationen.

Brauchtum: Gedenkstunden im Bundestag (mit Rede des Bundespräsidenten) und in manchen Städten und Gemeinden, Kranzniederlegungen

 

  • Buß- und Bettag – findet 11 Tage vor dem 1. Advent statt, bzw. Mittwoch vor dem Totensonntag: Tag der Besinnung, Reue für Sünden und daraus folgende Verhaltensänderung für die Zukunft, persönlich sowie gesellschaftlich.

Brauchtum: Gottesdienste

 

  • Totensonntag / Ewigkeitssonntag – Sonntag vor dem 1. Advent: Gedenken an die Verstorbenen, besonders auch derer, die im letzten Jahr verstarben

Brauchtum: Gottesdienste, Fürbitten, Glockenläuten

 

  • 30. Nov. – Andreastag: Todestag des heiligen Andreas, dem Schutzheiligen der Fischer, der Liebenden und des Ehestandes

Der heilige Andreas wurde als Märtyrer an einem X-Förmigen Kreuz hingerichtet. Daher entstammt das Andeaskreuz, das wir von den Bahnübergängen kennen. Der Andreastag steht für das Ende des Kirchenjahres und den Beginn der Adventszeit. Auch die Nacht vom 29. auf den 30. November ist von Bedeutung, sie nennt sich Andreasnacht. Diese Nacht gilt als „Losnacht“ und Nacht der Liebesorakel und es gab verschiedene Bräuche für die ledigen Frauen um herauszufinden, wer der Zukünftige sein wird oder ob nächstes Jahr geheiratet wird.
Brauchtum: Pantoffelwerfen, Andreasgebet

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