Kindertodtenlieder

Kindertodtenlieder heißen sie, die 428 Gedichte die Friedrich Rückert schrieb in Gedenken an seine verstorbenen Kinder Luise und Ernst. Sehr bewegende und berührende Worte eines trauernden Vaters..

Alle Kinder (damals 6) von Rückert erkrankten im Dezember 1833 an Scharlach. Luise (3 Jahre, seine einzige Tochter) und Ernst (5 Jahre) erlagen der Krankheit. Seine anderen Kinder haben sie überlebt.

Einige seiner Gedichte:

Du bist ein Schatten am Tage

Du bist ein Schatten am Tage,
Und in der Nacht ein Licht;
Du lebst in meiner Klage,
Und stirbst im Herzen nicht.

Wo ich mein Zelt aufschlage,
Da wohnst du bei mir dicht;
Du bist mein Schatten am Tage,
Und in der Nacht mein Licht.

Wo ich auch nach dir frage,
Find‘ ich von dir Bericht,
Du lebst in meiner Klage,
Und stirbst im Herzen nicht.

Du bist ein Schatten am Tage,
Doch in der Nacht ein Licht;
Du lebst in meiner Klage,
Und stirbst im Herzen nicht.

Oft denk‘ ich, sie sind nur ausgegangen

Oft denk‘ ich, sie sind nur ausgegangen,
Bald werden sie wieder nach Haus gelangen,
Der Tag ist schön, o sei nicht bang,
Sie machen nur einen weitern Gang.

Ja wohl, sie sind nur ausgegangen,
Und werden jetzt nach Haus gelangen,
O sei nicht bang, der Tag ist schön,
Sie machen den Gang zu jenen Höhn.

Sie sind uns nur voraus gegangen,
Und werden nicht hier nach Haus verlangen;
Wir holen sie ein auf jenen Höhn
Im Sonnenschein, der Tag ist schön.

Es bringt die Magd die Todeskunde

Es bringt die Magd die Todeskunde
Vom Schwesterchen der Knabenschaar;
Da rufen sie mit Einem Munde:
Sie ist nicht todt, es ist nicht wahr.

Sie sehen sie mit blassem Munde
Mit weißer Wang‘ im dunklen Haar,
Und flüstern leiser in die Runde:
Sie ist nicht todt, es ist nicht wahr.

Der Vater weint aus Herzenswunde,
Die Mutter weint, sie nehmens wahr,
Und bleiben doch bei ihrem Grunde:
Sie ist nicht todt, es ist nicht wahr.

Und als gekommen war die Stunde,
Man legt sie auf die Todtenbahr,
Man senkt sie ein im kühlen Grunde:
Sie ist nicht todt, es ist nicht wahr.

So bleibe sie mit euch im Bunde
Und werde schöner jedes Jahr
Und werd‘ euch lieber jede Stunde!
Sie ist nicht todt, es ist nicht wahr.

Sie haben das Herz aus der Brust mir genommen

Sie haben das Herz aus der Brust mir genommen
Und habens gelegt in ein Grab;
Das Leben, es ist mir abhanden gekommen,
Es ist mir gegangen hinab.
Ihr Seufzer beklommen,
Ihr Augen umschwommen,
Wie seid ihr entkommen?
Ich gab
Euch alle ja mit ihr ins Grab.

Menschentod und Menschenleben

Menschentod und Menschenleben
Ist ein Räthsel;
Was die Schicksalsmächte weben,
Ist ein Räthsel.

Daß ihr mir gegeben wart,
Ist ein Wunder,
Daß ich muß zurück euch geben,
Ist ein Räthsel.

Daß ihr mir im Tode lebet,
Ist ein Zauber,
Und bei euerm Tod mein Leben
Ist ein Räthsel.

Hier im Projekt Gutenberg findet ihr beispielsweise diese Gedichte, die Kindertodtenlieder:
http://gutenberg.spiegel.de/buch/kindertodtenlieder-5068/1

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