Review zum 3. Death Café Reutlingen

Am 05.07.19 um 19 Uhr haben wir uns wieder getroffen um offen über den Tod und alles was dazugehört zu sprechen.

Vielen lieben Dank an alle Teilnehmer, die wieder so wunderbar und wertschätzend miteinander kommuniziert haben!

Noch eine Bitte vorneweg: Ja, die Veranstaltung ist kostenlos, einfach damit jeder die Möglichkeit hat teilzunehmen, egal ob er oder sie es sich finanziell leisten kann oder nicht. Das bedeutet aber nicht, dass der Abend nicht wertvoll ist. Also ist meine Bitte an dich: Wenn Du dich anmeldest und nicht kommen kannst oder willst, sag rechtzeitig wieder ab (also so früh wie möglich). Ich musste so einigen lieben Leuten absagen, die sehr gerne gekommen wären, aber nicht konnten, weil die Veranstaltung ausgebucht war. Dennoch blieben am Abend mehrere Plätze leer, ohne dass man mir darüber Bescheid gegeben hat. Das ist sehr schade (und leider auch nicht wertschätzend) für mich und die Menschen, die nicht teilnehmen durften.
Aber, es war jetzt das erste Mal, dass es so war und ich schiebe es mal auf das warme Wetter 😉 ! Aber bitte trotzdem beachten !

Hier ist nun mein Bericht zum dritten Death Café Abend:

Es war warm, aber mit den kühlen Getränken aus dem weXelwirken-Kühlschrank war es ganz gut auszuhalten 😉 Danke liebe weXelwirker!

Wir hatten diesmal sogar Jemanden von der Presse (evangelischer Pressedienst) mit in unserer Runde dabei. Ich sage euch Bescheid (Newsletter, Social Media), sobald ich erfahre, wann / wie / wo der Artikel über unseren Abend zu finden ist!

Meine Eingangsfrage zum heutigen Abend war: Welche 1 – 3 Dinge gehören für dich zu einem guten Leben?

Die Antworten der Teilnehmer:

  • Gesundheit (“Alle Sorgen werden klein, gegen die, gesund zu sein”)
  • Menschen
  • Natur
  • Liebe
  • Freude
  • Freiheit
  • Arbeit muss Spaß machen
  • Zufriedenheit (privat und beruflich)
  • Freunde (Richtige! die bleiben, auch wenn es mal schwierig wird!)
  • Zurückblicken und die Mehrheit des Lebens als gut empfinden
  • Liebe (generell) gegenüber Menschen, Natur, Lebewesen, ..
  • Sinn, das persönliche „Warum“
  • sich an den kleinen Dingen erfreuen können, sie wertschätzen

Worüber wurde an dem Abend sonst noch gesprochen?

  • Viktor Frankl: „Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie.“
  • Suizidalität (Ja, die Teilnehmer haben sich an dieses Thema herangewagt und berichteten über eigene Erfahrungen mit Suiziden aus ihrem Umfeld und auch über eigene Suizidgedanken)
  • „Denken Menschen die Suizid begehen denn nicht daran was sie ihren Hinterbliebenen damit antun?“ – So einfach ist das nicht -> Erkrankung, Tunnelblick, Kurzschlusshandlung, Fokus ist zentralisiert / eingeengt auf sich und den eigenen Schmerz und wie man den stoppen kann weil er unaushaltbar scheint, usw.
  • Suizidgedanken in der Jugend – manchmal ein bisschen Trotz dabei? („Sollen die Eltern doch kucken, wie es dann ohne mich ist, was sie davon haben, ..“), Erfahrungen der Teilnehmenden aus ihrer eigenen Jugend
  • Psychische Erkrankungen, Wartezeit für Behandlung, Medikamente (die manchmal anfangs die Suizidalität erhöhen können!)
  • Menschen die suizidal sind und plötzlich entspannt / fröhlich / zufrieden sind, haben evtl. die Entscheidung getroffen sich selbst das Leben zu nehmen. Ein Warnsignal!
  • Der Werther-Effekt, Berichterstattung bei Suiziden ohne dass andere zur Nachahmung animiert werden, Winnenden
  • (Noch eine Anmerkung zum Thema jetzt hier im Artikel von mir: Jede Suizidandrohung ist unbedingt ernst zu nehmen! Suizidgedanken sind immer unbedingt ernst zu nehmen! Das ist eine schreckliche Notlage und Notfallsituation! Darüber sprechen ist wichtig. Profis mit ins Boot holen und Hilfe annehmen. Für so etwas Akutes gibt es auch immer sofort Hilfe! Da musst du nicht wie bei psychotherapeutischer Behandlung Monate warten! Auch wenn alles grad aussichtslos erscheint, es gibt wirksame Hilfe, bitte lass dir helfen! Du bist deswegen nicht weniger wertvoll und wichtig. Jedes Leben zählt!! Suizidgedanken können jeden treffen!)
  • Anatomie lernen und Wissen erlangen durch einen Kurs im Leichen sezieren. Das hat eine/r unserer TeilnehmerInnen gemacht! Wow :-O
  • Obduktion, Todesumstände klären – Ungewissheiten und Unklarheiten erschweren Trauer vs. Tod ist Tod, egal warum, wieso, weshalb – Abfinden
  • Erfahrungen mit Trauerfeiern und Beerdigungen, Rahmen, Gestaltung, Redner – Pfarrer, positive und negative Erfahrungen, Traueranzeige, Beileidsbekundungen Ja / nein, hilfreich / nicht hilfreich
  • Bestattungsvorsorge, Vorausplanung
  • Was soll über mich gesagt werden nach meinem Tod
  • Körperspenden für Wissenschaft, Medizin, Körperwelten, ..
  • Hühnergötter 😉
  • Trauer, Tod, Rituale in anderen Kulturen, Wunsch nach mehr Trauerkultur / Ritualen und Teilhabe der Trauernden im Bestattungsprozess
  • Museumsbesuch im Museum für Sepulkralkultur in Kassel (https://www.sepulkralmuseum.de/)
  • Trauer ist sehr individuell, jeder trauert anders und das ist ok
  • „aus der Kirche ausgetreten, weil das Bodenpersonal nicht gefällt“ 😉
  • Was will ich für meine Beerdigung? Friedwald, Angehörige sollen sprechen statt Pfarrer / Redner, Mundharmonika, Querflöte, Geigenmusik, schöne Musik, egal weil die Beerdigung ist für die Trauernden – ich bin ja tot, Glassarg, Sarg bemalen, ..
  • Ein Teilnehmer hat folgenden Text von Henry Scott Holland mitgebracht: „Tod bedeutet gar nichts. Ich bin nur nach nebenan verschwunden. Ich bin ich und du bist du. Was immer wir füreinander waren, das sind wir noch. Nenne mich bei dem alten vertrauten Namen. Sprich von mir, wie du es immer getan hast. Ändere nicht deinen Tonfall. Zwinge Dich nicht zu aufgesetzter Feierlichkeit oder Traurigkeit. Lache weiterhin über die kleinen Scherze, an denen wir gemeinsam Spaß hatten. Spiele, lächle, denke an mich, bete für mich. Lass meinen Namen weiterhin so geläufig sein, wie er immer war. Sprich ihn unbekümmert aus, ohne die Spur eines Schattens. Das Leben bedeutet all das, was es bisher bedeutete. Es ist genauso wie immer. Es geht uneingeschränkt und ununterbrochen weiter. Ist der Tod nicht nur ein unbedeutender Zwischenfall? Warum sollte ich vergessen sein, nur weil du mich nicht mehr siehst? Ich warte einstweilen auf dich, ganz in der Nähe, nur um die Ecke. Alles ist gut.“
  • So .. Das ist alles was mir gerade noch einfällt.. Gerne nehme ich auch eure Ergänzungen entgegen. Wenn Ihr meint, dass etwas fehlt, schreibt mir gerne.

Bitte behaltet auch im Hintergrund, dass das Death Café eine Diskussion ist, die Ihr selbstverantwortlich gestaltet! Ihr bestimmt selbstständig die Themen und Ihr bestimmt wieviel Ihr einbringt und wieviel ihr zuhört. Wenn euch das Thema nicht gefällt, verändert es. Wenn euch etwas bestimmtes interessiert, dann bringt es zur Sprache. Seid interessiert an einander und an den unterschiedlichen Ansichten und Gedanken!

Buchtipps:

  • „Die andere Seite der Trauer“ von George A. Bonanno
  • „Lass uns über den Tod reden“ von C. Juliane Vieregge

Danke für euer aktives Mitwirken, die leckeren Mitbringsel, die tollen neuen und bekannten Kontakte, die Spenden, die Begeisterung und bis zum nächsten Mal!

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